Lesenswerte Bücher

Vom Zauber der Rauhnächte. Weissagungen, Bräuchen und Rituale für die Zeit zwischen den Jahren, Vera Griebert-Schröder / Franziska Muri, Irisiana-Verlag, ISBN 978-3-424-15173-2,10,- €

Während sich die Adventszeit ausbreitet und Weihnachten ankündigt, bereitet sich ein weiteres Geschehen vor: Die Rauhnächte (vom mittelhochdeutschen „ruch = haarig). Die Zeit zwischen Wintersonnenwende und dem Dreikönigstag ist nach altem Glauben die Zeit der „wilden Jagd“ der haarigen Geistergesellen. Es ist eine besondere Zeit, in der die Schleier zwischen der Alltagswelt und der magischen Anderswelt dünner werden. Rituale in dieser Zeit ermöglichen Zugang zu den Energien und Themen des kommenden Jahres, wenn Menschen bewusst innehalten und sich auf das neue Jahr vorbereiten.

Entstanden sind die Rauhnächte wie ein Niemandsland zu einer Zeit, in der es unterschiedliche Jahresanfänge gab. „Ein Mondjahr dauert etwa 354 Tage, ein Sonnenjahr aber elf Tage bzw. zwölf Nächte länger, nämlich 365. Um beide auszugleichen, hängte man an das Mondjahr also die fehlenden Tage als eine Besonderheit an – als Rauhnächte. Sonne und Mond, deren Wirken und Wirkung auf den Menschen höchst unterschiedlich ist, werden mit dieser Zeit „zwischen den Jahren“ ausgeglichen. Auch aus dieser Sicht wird deutlich, warum es eine Phase erhöhter Spannung und gleichzeitig vertiefter Einsichten ist.“ So beschreiben es Vera Griebert-Schröder und Franziska Muri in ihrem informativen und anregenden Buch. Schon mit der Wintersonnenwende am 21.12. bietet sich die Möglichkeit, in der möglichen Hektik der Weihnachtsvorbereitungen inne zu halten und während des kürzesten Tages und der längsten Nacht über Dunkel und Licht im eigenen Leben und Empfinden nachzudenken.  In den Rauhnächten vom 25.12. (00.00 Uhr)  bis 5.1. (Mitternacht) ist es gut möglich, mehr in sich hineinzuhorchen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, einen besonderen inneren und äußeren Raum entstehen zu lassen. Rituale in dieser Zeit ermöglichen es, das Besondere an Geschenken aus unserem Inneren, aber auch aus der Welt der Engel, Geister und helfenden Begleiter aus der Anderswelt abzurufen. Griebert-Schröder und Muri bieten in ihrem Buch viele leicht umsetzbare Anregungen, märchenhafte Beispiele und thematische Fragen zu dieser besonderen Zeit. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für Menschen, die sich für die Rauhnächte und Rituale im Alltag interessieren.

 

Noch eine Runde auf dem Karussell. Vom Leben und Sterben, Tiziano Terzani, Knaur-Taschenbuch-Verlag, ISBN 978-3-426-77956-9, 12,95 €

Richtig, dies ist keine Neuerscheinung. Sondern sieben Jahre nach seinem Erscheinen und Hochschnellen auf internationale Bestseller-Listen  ein Klassiker. Der nicht fehlen darf, wenn es um die Facetten des menschlichen Lebens und Sterbens geht. Der Titel des Buches „noch eine Runde auf dem Karussell“, bezieht sich auf das Leben wollen, aber auch Sterben können des legendären Asien-Korrespondenten des „Spiegels“, Tiziano Terzani. Denn das Sterben gehört  zum wirklichen Leben dazu, oder, wie es einer der „Weisen“ formuliert, denen Terzani auf seiner Reise zum Thema Heilung begegnet: „Das Sterben ist das, was uns alle verbindet.“ Dies ist kein trauriges Buch, sondern ein Buch voll vom Leben eines Mannes, den das „Wissen wollen“ immer angetrieben hat. Und der auch, als er Ende fünfzig an Krebs erkrankt, wissen will, was denn die unterschiedlichen Länder (USA, Indien, Thailand, Hongkong, Philippinen und der Himalaya) an Heilung zu dem Thema bereithalten. Selbst betroffen, bleibt Terzani doch immer distanzierter und analysierender Journalist und Beobachter, der sich gleichzeitig jedoch aus seiner Entwicklung heraus je länger desto stärker berühren lässt von dem, was das Leben ihm an Begegnungen schenkt. Und darin seinen inneren Heilungsweg findet. Und für die, die das Buch schon kennen, sei dies eine Erinnerung, das Buch vielleicht mal wieder zur Hand zu nehmen, denn es ist, wie es im Klappentext heißt, wirklich „ein seltenes Beispiel westlicher Weisheit“. Und schenkt uns Aussagen wie diese: „“Alles, einschließlich der Krankheit selbst, war sehr nützlich. Erst dadurch wurde ich dazu angehalten, meine Prioritäten zu überdenken, in mich zu gehen, meinen Blickwinkel und vor allem mein Leben zu ändern. Und das ist das Einzige, was ich auch anderen raten kann: das Leben verändern, um gesund zu werden.“

Einfach Danke sagen: Wie ein kleines Wort in meinem Leben große Wirkung zeigte - John Kralik

Einfach Danke sagen. Wie ein kleines Wort in meinem Leben große Wirkung zeigte. John Kralik, Ludwig-Verlag,ISBN 978-3-453-28035-9,17,99 €

Da ich das das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte schreibe ich diese Rezension mit dunklen Ringen unter glänzend

en Augen: John Kralik vermittelt in seiner biografischen Geschichte anrührend eine Botschaft, die ansteckend wirkt: Mit Anfang 50 steckt der Rechtsanwalt in einer tiefen Krise: Seine Kanzlei ist überschuldet, die zweite Scheidung läuft, seine neue Freundin trennt sich von ihm. Der Kontakt zu seinen erwachsenen Söhnen ist schlecht, zum Übergewicht kommt noch ein kleines schlecht isoliertes Appartement. Da trifft er bei einer einsamen Neujahrs-Wanderung eine tiefgreifende Entscheidung: Um sein Selbstmitleid zu überwinden und sich auf das Positive konzentrieren, wird er in dem vor ihm liegenden Jahr jeden Tag Jemandem eine Dankeskarte  schreiben. Er beginnt bei seinem Sohn, der ihm geliehenes Geld zurück bezahlt. Er bedankt sich bei seiner Ex-Frau für die Ausrichtung der Geburtstagsfeier für die gemeinsame Tochter, bei Starbucks-Mitarbeitern, die ihn mit Namen ansprechen, bei KlientInnen, die Rechnungen bezahlen. Von der ersten Karte an entfalten die Danksagungen ihre Wirkung: Die Beziehung zu den Söhnen wird wieder herzlich. Die Scheidung verläuft einvernehmlich. Seine Kanzlei überlebt den Börsencrash von 2008, weil eine Klientin, berührt durch die Danksagung, eine Rechnung über 26.000 € begleicht, die das Ruder rumreißen. Freundschaften, die drohten, im Sande zu verlaufen, münden in der Planung und Durchführung eines gemeinsamen Marathons, was Kralik von seinem Übergewicht befreit. Weil Kralik bereit ist, das Dankenswerte in anderen anzuerkennen, kehrt diese Dankbarkeit zu ihm zurück. Am Ende des Jahres erhält er das, was er sich am meisten gewünscht hat: die Rückmeldung, dass andere dankbar sind, dass es ihn gibt. Ein lesenswertes Buch!

Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht. Gelassen durch stürmische Zeiten, Jesper Juul, Kösel-Verlag, ISBN 978-3-466-30871-2, 16,95 €

Nicht erziehen oder manipulieren, sondern begleiten, zur Verfügung stehen. Mit diesem Plädoyer schlägt der dänische Bestseller-Autor Jesper Juul eine Bresche für Eltern, die den Mut aufbringen, sich zu erzieherischen Unsicherheiten zu bekennen, und für Jugendliche, die einfach nur eines wollen: wachsen.

Das praxisnahe Buch ist in drei Teile geteilt. Nach Jesper Juuls bedenkenswerten grundlegenden Hinweisen für Eltern in der Pubertät folgen Briefwechsel. Dort antwortet der Autor auf die Nöte von Eltern und Jugendlichen. Im dritten Teil werden Gesprächsprotokolle eines Workshops zitiert. Erläuterungen der manchmal erklärungsbedürftigen Interventionen des Familientherapeuten wären hier hilfreich gewesen.

Juul will nicht als „Erziehungsexperte“ angesprochen werden. Es gebe in der Erziehung nicht den einen Weg. Entscheidend seien die Fragen: Wie kommunizieren wir? Wie ist unsere Beziehung? Zwar sei der Teil des Gehirns, der für Konsequenzen zuständig ist, „wegen Umbau geschlossen“. Dennoch sei Turbo-Erziehung nicht das Mittel der Wahl, sondern Begleitung, auch durch Niederlagen hindurch. Und, Eltern zum Trost, versichert Juul, es sei nicht persönlich gemeint, wenn die Jugendlichen sich gegen die Eltern richten. Was Kinder in der Pubertät wirklich bräuchten, seien ein bis zwei Menschen, die wirklich glauben, dass sie ok sind. Deshalb sollten Eltern versuchen, den Heranwachsenden Sparringpartner zu sein: Ihnen maximalen Widerstand bei minimalem Schaden entgegensetzen. “Die Stimmung, in der wir miteinander umgehen, der Prozess, wie wir als Familie miteinander sind. All das erzieht.”