4. Woche: Kalt und warm

“Wir sind nicht gescheitert – wir haben nur eine Art herausgefunden, wie es nicht funktioniert.”

Sprecher des Heißluftballons-Teams, das vergeblich die Erde umrunden wollte

Zucker satt - sättigt nicht

Es ist passiert: Stress, Überarbeitung, Ruhelosigkeit – da habe ich mir das mit Zuckerguss überzogene Kuchenstück gekauft. Am S-Bahnhof, schnell auf dem Weg zum Arbeitstermin. Zweierlei geschieht: Zum Einen schmecke ich, dass der Zucker nicht wirklich nährt. Kalt fühlt er sich an in Mund und Magen. Dass er Ersatz ist für etwas anderes wird spür- und schmeckbar. Zum Anderen: Für einen Moment tritt Ruhe ein, wie ich beim Bäcker sitze, noch einen Coffee to go in der Hand. Und ich erkenne: Das ist das, was mir gerade möglich ist. Werde gädig mit mir, denke und fühle: “Ja, so ist es gerade: Ich bin gerade eine, die sich mit einem Zuckerkuchen zu nähren versucht. Das ist nicht optimal, das ist nicht das angestrebte Ziel. Und doch: Das ist gerade das mir Mögliche.”

Genau dieser Gedanke ist es, der Wärme erzeugt. Loslassen des Anspruchs, den ich mir ja für mich selbst gesteckt habe. Anerkennen, was ist. Ruhe kehrt ein. Ein Raum tut sich auf, in dem ich wieder freier atmen kann. Ein Ja zu mir, in das ich mich einkuschle wie in eine warme Decke. Nicht die Süße des Gebäcks wärmt, sondern das “Ja” zu mir in der Verfehlung, im Misserfolg, indem ich für einen Moment aufhöre zu kämpfen. Auch diese Zeiten sind wichtig auf dem Weg. Wie bei der Bergwanderin, die schon eine gewisse Höhe errungen hat und wegen schlechtem Wetter nochmal ins Basislager hinabsteigt. Neu Anlauf nimmt. Die Route neu berechnet. Oder einfach abwartet, bis die Sonne wieder scheint.

Im Fastenbrief von “Andere Zeiten” heißt es, dass wir uns dieser Kraft der Stille nicht nähern, “wenn wir kämpfen. Eher wenn wir wachen Herzens lauschen und alles loslassen, was wir erwarten und erringen wollen.” Das ist nicht laut, das ist nicht heroisch. Das ist nicht spektakulär. Manchmal ist es das uns Mögliche. Und das reicht.